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Ich habe oft das Gefühl, dass nicht genug passiert. Wenn ich das kritisiere, sollte ich es anders machen. Deshalb engagiere ich mich und plane mir bewusst Zeit dafür ein. Vor zwei Jahren habe ich bei der Nachhaltigkeitswoche an den Zürcher Hochschulen im Marketing geholfen, es war eine tolle Stimmung. Das Jahr drauf war ich im Austauschjahr und habe leider nur grad noch die Durchführung miterlebt. Ich habe mir geschworen: Nächstes Jahr packst du so richtig an. Die Nachhaltigkeitswoche ist ein super Spielplatz! Ich habe im Newsletter geschrieben: «Wenn du schon immer einen Event im Nachhaltigkeitsbereich machen wolltest: jetzt ist der Moment. Es steht Geld zur Verfügung, es wird Werbung für dich gemacht, wir laden Leute für dich ein. Was willst du mehr?» 

Ich habe vor kurzem den Abschluss als Primarschul-Lehrerin gemacht. Jetzt unterrichte ich eine fünfte Klasse, arbeite aber nur vierzig Prozent. Weil ich immer noch den Studi-Lifestyle lebe, kann ich es mir leisten, in verschiedenen Projekten freiwillig mitzuarbeiten, zum Beispiel in einer Klimagruppe oder eben bei der Nachhaltigkeitswoche. Ich bin gerade noch immatrikuliert, das ist also meine letzte Gelegenheit. Ich mache dieses Jahr das Sekretariat, sorge dafür, dass die Kontakte gepflegt werden und dass auf unseren Kommunikationsplattformen Ordnung herrscht. Aber ich helfe auch mit, dass die sieben Leute im Kernteam und das grössere Plenum sich regelmässig treffen. In echt konnten wir das nur zwei Mal diesen Sommer machen. Ich versuche, trotz der Distanz einen guten Zusammenhalt zu schaffen. Wir machen zum Beispiel ein Spiel, bevor eine Sitzung voll losgeht, oder eine Befindlichkeitsrunde. Ich frage: Was habt ihr erlebt, was hat euch gefreut oder so, und man spürt sich so gleich gegenseitig etwas besser. 

Dieses Jahr ist es mühsam, wir mussten viel umdenken. Wie viele Studis schlussendlich an den Online-Events teilnehmen, haben wir keine Ahnung. Wenn du sie einlädst, sagen manche: «Von Zoom-Calls habe ich die Nase gestrichen voll!» Es geht uns doch allen mal so: Du drückst nach einem Gespräch oder Event den Knopf, dann bist du allein im Raum und du fragst dich: War da überhaupt etwas? Aber für uns war immer klar: Die Woche findet statt! Es ist cool zu spüren, die Leute wollen Events organisieren, auch wenn es etwas kompliziert ist.

Gerade online ist es uns wichtig, auch einen Raum zu bieten für einen weniger formellen Austausch. Das ist einer der Gründe, warum wir während der Woche auch ein Radio machen, jeden Tag von 11:45 bis 15:30 Uhr. Die Leute können uns nach den Events eine Sprachnachricht schicken, wie sie es gefunden haben oder was sie noch sagen wollen. Beim Radio ist es sehr direkt, hier merkst du sofort, ob die Leute mitmachen und wie ihre Stimmung ist. Es geht primär nicht nur um Fachwissen, sondern um Meinungen, Emotionen und Visionen. Es hat Platz für ganz Vieles!

Ich persönlich bin mit der Woche zufrieden, wenn ich Spass habe und etwas lernen kann und vielleicht auch, wenn die Menschen in meinem Umfeld sich irgendwie aufrütteln lassen. Die Woche ist so wichtig für die Hochschulwelt. Bei uns gibt es eben nicht eine Black Friday Week, sondern eine Nachhaltigkeitswoche. Ich bin ein Ideenvulkan, also für nächstes Jahr hätte ich auch noch ein paar Ideen. Gerade Events zu sozialer Nachhaltigkeit könnte man noch mehr brauchen. Bei einem Event zu Kreislaufwirtschaft lernst du etwas über Kreislaufwirtschaft. Bei den sozialen Themen lernst du etwas über dich selber.

Vom 8.-13. März organisieren Studentïnnen von fünf Zürcher Hochschulen die Nachhaltigkeitswoche – ein kostenloses Programm mit Events, Workshops und Diskussionen. Stories for Future erzählte eine Woche lang Geschichten von Menschen aus diesem Umfeld.

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Die meisten Geschichten entwickeln sich in einem Gespräch und wir schreiben sie auf. Manche Geschichten werden uns zugeschickt, auf Einladung oder spontan. Bislang haben wir die Geschichten nicht systematisch gesucht – sie ergeben sich durch spontane Kontakte, Empfehlungen und Zufälle.

Die Geschichten widerspiegeln nicht immer unsere Meinung; und die Geschichtenerzählerïnnen sind wohl auch nicht immer einer Meinung.

Stories for future wurde von Moritz Jäger und Gabi Hildesheimer von Tsuku ins Leben gerufen. Die Stiftung Mercator Schweiz unterstützt das Projekt mit einem finanziellen Beitrag. Weitere Interessenbindungen bestehen nicht.

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